„Game of thrones ist nichts dagegen“ – Wie Arbeitgeber im 5- Sterne- Spiegel auf kununu bewertet werden und warum solche Plattformen immer wichtiger werden.

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In unserer Praxis & Recht Veranstaltung am 03.05.2021 zum Thema „Arbeitgeberbewertungen im Internet“ referierten Sascha Theisen und Dr. Manfred Böcker zusammen mit unserem Verbandsjuristen Christian Schlör. Im Interview erklären sie, welche Arbeitgeberbewertungsportale eine Rolle spielen und wie Arbeitgeber korrekt mit Bewertungen auf den unterschiedlichen Plattformen umgehen können.

Mit welchen Bewertungsplattformen sollte ich mich als Arbeitgeber beschäftigen?

Sascha Theisen: Im deutschsprachigen Raum sollten sich Arbeitgeber in erster Linie mit kununu beschäftigen. kununu dominiert den Markt in Deutschland. Derzeit finden Nutzer dort 4,6 Millionen Bewertungen von fast einer Million Arbeitgebern. Das sind die mit Abstand größten Reichweitenzahlen diesbezüglich auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Daneben lohnt sich noch ein Blick auf Glassdoor, der größten Arbeitgeberbewertungsplattform des amerikanischen Marktes. Hier hinterlassen auch deutsche Mitarbeiter oder Bewerber ihre Eindrücke von Arbeitgebern. Aber an die Nutzungshäufigkeit von kununu reicht Glassdoor hierzulande bei weitem nicht heran.

Warum ist es überhaupt sinnvoll, sich mit Bewertungsplattformen zu beschäftigen?

Sascha Theisen: Weil mittlerweile schon deutlich mehr als die Hälfte aller Bewerber kununu nutzen, bevor sie sich für eine Bewerbung bei einem Unternehmen entscheiden. Das heißt: Portale wie kununu sind die wahren Orte, an denen Employer Brands verhandelt werden. Starke Arbeitgebermarken entstehen nämlich genau da, wo sie sich ihre Reputation verdienen – im Dialog mit der Zielgruppe, der von tausenden Kandidaten mitgelesen wird. Die Zeiten, in denen man einen Slogan auf eine Broschüre, ein Banner oder auf die Karrierewebseite geschrieben hat und damit Kandidaten überzeugen konnte, die sind vorbei – wenn das überhaupt jemals gewirkt hat.

Wie kann ich mich als Arbeitgeber gut präsentieren?

Dr. Manfred Böcker: Im Kontext der Bewertung geht es natürlich erst einmal immer darum, ob Sie ein guter Arbeitgeber sind oder ein schlechter. Das bekommen Unternehmen, Bewerber und Mitarbeiter auf kununu & Co. meist sehr ungefiltert gespiegelt. Daher ist die Frage im Grunde genommen schon einmal falsch, weil sie suggeriert, mit gelungenen Kommunikationstricks gelänge es, dort gut dazustehen. So leicht ist es aber leider nicht. Natürlich können Arbeitgeber ein Unternehmensporträt auf kununu buchen und das auch mit guten Inhalten füllen – wenn diese Inhalte aber nicht zu den Bewertungen, also den Erfahrungen der Mitarbeiter*innen passen, ist absolut gar nichts gewonnen – ganz im Gegenteil. Am besten gehen die Arbeitgeber mit Bewertungsportalen um, die sie zunächst einmal als Feedbackkanäle verstehen und weniger als Ärgernis.

Wie kann und sollte ich auf Bewertungen reagieren?

Sascha Theisen: Das ist sehr einfach. Die Antwortfunktion können Arbeitgeber kostenlos bei kununu beantragen und dann unabhängig davon, ob sie ein bezahltes Unternehmensportrait schalten oder nicht, auf Bewertungen antworten. Ist dies geschehen, sollten sich Arbeitgeber eine genaue Strategie zurechtlegen, wie sie konkret auf Lob, aber vor allem auf Kritik antworten möchten. Wie solche Strategien aussehen, ist zentraler Inhalt unserer Employer Telling Workshops. Basis der Beratung ist unsere Studie „Arbeitgeber im Kandidatendialog auf kununu“, für die wir 1.300 Arbeitgeberantworten auf kununu geclusterd und analysiert haben.

Wie gehe ich vor, wenn eine veröffentlichte Bewertung nicht den Tatsachen entspricht?

Dr. Manfred Böcker: In diesem Fall empfehlen wir klar über die Antwortfunktion Stellung zu beziehen und die Bewertung sachlich und faktenorientiert zu beantworten und auf dieser Grundlage unwahre Tatsachenbehauptungen zu widerlegen. Zwar gibt es in Ausnahmefällen auch die Möglichkeit, Bewertungen löschen zu lassen. Dazu raten wir aber nur, wenn die Bewerter gegen die Spielregeln des Portals verstoßen – wenn zum Beispiel ein ehemaliger Mitarbeiter sich mehrere Fake-Identitäten zulegt und dann mehrere, gleich lautende Bewertungen veröffentlicht und die Wirkung seiner Kritik zu vergrößern.

Soll ich meine Mitarbeitenden aktiv darum bitten, mich auf einer Bewertungsplattform zu bewerten?

Sascha Theisen: Das ist durchaus ein aktiver Umgang mit kununu & Co., den man so gehen kann. Ganz wichtig ist es aber, das dann neutral und authentisch zu tun. Denn es gibt nichts Fataleres für das Arbeitgeberimage, als Jubel-Mitarbeiter zu aktivieren, die ein Unternehmen stumpf mit 5 Sternen bewerten. Das merken Bewerber und Mitarbeiter sofort und machen es nicht selten auch zum Gegenstand ihrer Bewertungen.