Mediation hilft Azubis und Unternehmen bei der Lösung von Konflikten während der Ausbildung

Personalentwicklung & soziale Innovation

Der Beginn einer Ausbildung ist für Jugendliche ein wichtiger Schritt in das Berufsleben. Meist funktioniert der Wechsel von der Schule in die Lehre reibungslos. Doch was, wenn der vermeintliche Traumjob immer weniger Spaß macht und die ersten Zweifel kommen? Mitunter weichen die Vorstellungen von dem gewählten Beruf von der Realität ab, die übertragenen Aufgaben erscheinen langweilig, ausbleibendes Feedback löst Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten aus. Diese enttäuschten Erwartungen treffen wiederum auf die berechtigten Interessen des Ausbildungsbetriebes, der von seinen künftigen Fachkräften Zuverlässigkeit, Engagement und Eigeninitiative erwartet. Das Resultat: Ein Interessenskonflikt, der ohne klärendes Gespräch schnell in der Demotivation, schlimmstenfalls in der Auflösung des Ausbildungsvertrages mündet. „Bevor ein Konflikt eskaliert, bietet Mediation die Möglichkeit, beide Parteien an einen Tisch zu bringen“, zeigt Karin Haas, Mediatorin und Beraterin für Personalentwicklung beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V., einen Lösungsweg auf. „Für einen Betrieb bedeutet ein Ausbildungsabbruch immer einen Verlust von Ressourcen – von personellen, aber vor allem auch von finanziellen. Jugendliche wiederum erleben einen Abbruch meist als persönliche Niederlage.“ Eine einfühlsame Begleitung und Kommunikation durch Mediation kann hier frühzeitig gegensteuern.

Lösungen suchen statt kündigen

In Zeiten des demografischen Wandels ist es für Unternehmen wichtiger denn je, ihren Fachkräftebedarf aktiv zu sichern. „Dies bedeutet jedoch auch, sich auf Auszubildende einzustellen, die ihre Lehre bereits mit konkreten Vorstellungen antreten, so Karin Haas. „Auszubildende der „Generation Z“ haben andere Präferenzen, als vorangegangene Generationen. Sie möchten ernst genommen werden, mitgestalten, sich mit einem Unternehmen identifizierten, dessen Werte sich idealerweise mit den eigenen decken.“ In Konfliktsituationen erarbeitet sie als Mediatorin gemeinsam mit Ausbildungsverantwortlichen und Azubis Möglichkeiten, eine Ebene für den Austausch zu finden. „In Einzelgesprächen werden zunächst Missstände aber auch Interessen beider Parteien benannt. Was will man gemeinsam erreichen? Was erwartet die Gegenseite?“ Mitunter brauche es lediglich den Perspektivwechsel, um den jeweiligen Standpunkt des anderen plausibel zu machen und eine für alle Seiten tragbare und akzeptable Lösung zu finden.

Azubis möchten mitgestalten

„Ausbildungsbetrieben empfehle ich, sich von dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ zu lösen“, so Haas. Keine Frage, die heutigen Auszubildende sind anspruchsvoll, bringen im Gegenzug aber auch Kompetenzen mit, von den Unternehmen durchaus profitieren können. „Azubis sollten nicht nur Zaungäste sein“, empfiehlt die Mediatorin. „Sie sind kreativ, verantwortungsvoll und eigeninitiativ, wenn sie genügend Spielraum erhalten. Immerhin kommen sie mit einem frischen Blick in das Unternehmen und sind daher prädestiniert, wertvolle Impulse zu geben. Warum also nicht einmal den Lehrling eine Azubi-Kampagnen für nachfolgende Auszubildende entwickeln oder Ideen für ein besseres Teamwork erarbeiten lassen? Als „Digital Natives“ können sie darüber hinaus beurteilen, welchen Vorteil soziale Medien oder Messenger-Dienste für den Firmenalltag bringen.“ Auch das Etablieren regelmäßiger Feedbackgespräche ist sinnvoll, zeigt Karin Haas weitere Ansätze auf. „Aus den sozialen Netzwerken ist es die „Generation Z“ gewohnt, unmittelbare Rückmeldungen zu erhalten.“ Jugendliche können sich und ihre Fähigkeiten häufig noch nicht so recht einschätzen. Regelmäßige Rückmeldungen und Beurteilungen der Leistungen vermitteln dem Auszubildenden Vertrauen und motivieren, am Ball zu bleiben.

Karin Haas, Mediatorin und Beraterin für Personalentwicklung beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V., berät hilfesuchende Betriebe gemeinsam mit ihren Auszubildenden in Konfliktsituationen. Kontakt: Karin Haas, 04131/87212 25 oder khaas@av-lueneburg.de.