Mit 16 in die Ausbildung?

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Für Auszubildende, die noch keine 18 Jahre alt sind, gelten andere Regelungen, als bei Volljährigen. Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) schafft die rechtlichen Voraussetzungen, um junge Menschen in ihrer Ausbildung vor einer zu hohen Belastung, vor unzulässigen Arbeitszeiten und der Ausübung gesundheitlich riskanter Tätigkeiten zu bewahren.

Der erste Schritt in das Ausbildungsverhältnis stellt die Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages dar. „Angehende Azubis, die noch nicht volljährig sin, müssen ihre Eltern bzw. die gesetzlichen Vertreter bei mit ins Boot holen, da sie selbst nur eingeschränkt geschäftsfähig sind“, darauf weist Martin Schwickrath, Anwalt für Arbeitsrecht beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V., hin. Gleiches gilt übrigens, wenn der Arbeitgeber minderjährige Auszubildende abmahnt oder kündigt. Nur wenn das jeweilige Schriftstück von dem gesetzlichen Vertreter signiert wird, ist der Vertragsabschluss oder die Kündigung wirksam.

Acht Stunden pro Tag, 40 in der Woche

Während der Ausbildung ist die Dauer der Pausen- und Arbeitszeiten gesetzlich geregelt. Für junge Menschen zwischen 15 und 18 gilt grundsätzlich die Fünf-Tage-Woche mit jeweils acht Arbeitsstunden pro Tag. Die Zeit zwischen 20.00 und 6.00 Uhr wie auch die Samstage, Sonn- und Feiertage sind für Erholung und Freizeit reserviert. Ausnahmen gelten jedoch für Branchen, die einem besonderen Arbeitsrhythmus unterliegen. Im Bäckerhandwerk beispielsweise dürften 16-Jährige bereits um 5.00 Uhr beginnen, 17-Jährige um 4.00 Uhr. Ab 5.00 Uhr oder bis 21.00 Uhr dürften Jugendliche über 16 Jahre in der Landwirtschaft tätig sein. Im Gaststätten- und Schaustellergewerbe ist ab 16 Jahren eine Beschäftigung sogar bis 22.00 Uhr möglich und in Schichtbetrieben dürfen Jugendliche ab 16 Jahre bis 23.00 Uhr beschäftigt werden.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Dürfen minderjährige Auszubildende Überstunden leisten? „Nur bei vorübergehenden und unaufschiebbaren Arbeiten in Notfällen, soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen“, erklärt der Jurist. „Eine solche Situation sollte jedoch grundsätzlich die Ausnahme bleiben. Zusätzlich geleistete Arbeitsstunden müssen wiederum durch entsprechende Freizeit ausgeglichen werden.“

In einer dualen Berufsausbildung darf neben der praktischen Arbeit das Lernen nicht zu kurz kommen. Hier gilt die Regel: Berufsschulzeit ist Arbeitszeit. Ein Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden à 45 Minuten wird daher mit acht Zeitstunden angerechnet. An diesem Tag darf der Jugendliche im Betrieb nicht mehr beschäftigt werden. Blockunterricht mit mehr als 25 Schulstunden à 45 Minuten entspricht 40 geleisteten Arbeitsstunden.

Pause muss sein!

Wer arbeitet, hat ein Recht auf geregelte Pausen. Wo bei volljährigen Beschäftigten das Arbeitszeitgesetz gilt, greift bei unter 18-Jährigen wiederum das Jugendarbeitsschutzgesetz. Dieses gibt vor, dass nach viereinhalb Stunden Arbeitszeit mindestens 30 Minuten Pause gewährt werden müssen, ab sechs Stunden sind es 60 Minuten.

Eine Pause vom Arbeitsalltag stellt auch der Urlaub dar. Nach Ausbildungsbeginn besteht erstmals nach der Probezeit (meist sechs Monaten) die Möglichkeit, einen Urlaubsantrag zu stellen. Auch hier gelten für Minderjährige wieder besondere Regeln: Der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub hängt vom Alter zu Beginn eines Kalenderjahrs ab. „Dies bedeutet, dass einem 15-jährigen Azubi mindestens 30 Werktage Urlaub zustehen, einem 16-Jährigen mindestens 27 und einem 17-Jährigen mindestens 25 Werktage“, so Schwickrath.

 

Bei Fragen zur Beschäftigung minderjähriger Auszubildender berät der Arbeitgeberverband Lüneburg – Nordostniedersachsen e.V.

Kontakt: Martin Schwickrath, Tel.: (04131) 87212-14, Mail: mschwickrath@av-lueneburg.de.

 

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