Zur Mammutjagd ins Museum?

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Geschichte wird dank „Virtual Reality“ erfahrbar. Fördermittel der Europäischen Union machen es in Lüneburg möglich.

Bisher hatte wohl niemand die Gelegenheit, einen Neandertaler bei der Mammutjagd zu begleiten oder ihm beim Essen zuzuschauen. Keine Frage, der Gedanke, spontan 50.000 Jahre und mehr in die Vergangenheit zu reisen, ist reizvoll – und virtuell längst möglich. Willkommen in der Zukunft!

Wer im nächsten Jahr das Museum in Lüneburg oder eines der zahlreichen kleineren Museen im Landkreis besucht, wird via „Virtual Reality“-Brille Streifzüge durch längst vergangene Epochen unternehmen können. Gemeinsam mit den Museen des „Museumsnetzwerks Lüneburg“ wird das Museum Lüneburg die „Drehbücher“ erarbeiten. „Diese neue Präsentationsform wird uns fantastische Möglichkeiten eröffnen, um Wissen anschaulich zu vermitteln“, so Heike Düselder, Direktorin des Museums Lüneburg und Ideengeberin des Projekts. Ihr Ziel ist es, sowohl mittleren als auch kleinen Museen eine Anpassung an den digitalen Wandel zu ermöglichen. „Eine Steigerung des Erlebnischarakters trägt zudem entscheidend dazu bei, die Vielfalt unserer Museumslandschaft für die Zukunft zu erhalten.“ Mithilfe eindrucksvoller 360°-Videos werden Besucher der Museen in Stadt und Landkreis künftig in die Eiszeit reisen, um 1450 dem Baumeister der Johanniskirche begegnen, im Getreidefeld zusehen, wie die Bauern mit Steinsicheln das Getreide schneiden oder einen Reisenden des 19. Jhd. in die Heide begleiten können. 

Konzept fördert soziale Innovation

„Viele Sammlungen werden von Ehrenamtlichen im Ruhestand unterstützt, die sich mit Leidenschaft engagieren“, skizziert Wiebke Krohn, Arbeitgeberberaterin für Personalentwicklung und Soziale Innovation beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen, die aktuelle Situation. Nachwuchs für das Ehrenamt zu finden, gestalte sich jedoch zunehmend schwierig. Um die junge Generation für den Besuch und das Ehrenamt im Museum zu begeistern, brauche es eine zeitgemäße Präsentation der Exponate.

Etwa 300.000 Euro werde die Umsetzung der Filme und Anschaffung der VR-Brillen kosten. Ein Antrag auf EU-Fördermittel ist bereits bewilligt. 60 % des als „sozial innovativ“ eingestuften Projektes sind durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gesichert, 40 % muss der Antragsteller aus eigenen Mitteln oder über eine Kofinanzierung bereitstellen. Die Firma DBL Marwitz Textilpflege GmbH bot sich spontan als Partnerunternehmen an und übernahm als Sponsor die Anschubfinanzierung.

Regionale Wirtschaft profitiert

Virtual Reality, so die Prognose, könnte schon in wenigen Jahren Standard in Unternehmen werden. „Auch wir setzten uns intensiv mit der Frage auseinander, wie wir VR-Anwendungen im Schulungsbereich implementieren können“, sagt DBL Marwitz-Geschäftsführer Thomas Perczynski. „Zum eine ist es unser Anliegen, mit der Unterstützung dieses Projektes die Vielfalt unserer Museumslandschaft zu sichern. Wir glauben, dass sich Museen heute als innovative Erlebniswelten präsentieren müssen, um zukunftsfähig zu bleiben. Zum anderen profitieren wir als Unternehmen von den Synergien, die sich aus so einem Prozess ergeben. Wir haben beispielsweise aus dem Austausch mit der Agentur Mobfish, die mit der digitalen Umsetzung des Filmmaterials betraut ist, jede Menge Anregungen mitnehmen können“

Dass die virtuelle Realität längst in der Arbeitswelt angekommen ist, hat auch Wiebke Krohn in Gesprächen mit Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes erfahren. „Gamification“, also die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext, werde sowohl im Gesundheitsmanagement als auch in der Personalentwicklung und als Instrument zur Mitarbeitermotivation eingesetzt.

EU-Förderung Lebensqualität für Lüneburg

EU-Förderung – schön und gut, doch inwieweit profitieren Städte und Gemeinden davon? „Weit mehr, als man denkt“, erklärt Wiebke Krohn. „Über 94 % des EU-Haushaltes kommen Bürgerinnen und Bürgern, Regionen, Kommunen, Landwirten und Unternehmen der EU zugute.“ Der größte Teil der Mittel werde dafür eingesetzt, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. 10 Mio. Euro stehen in Niedersachsen allein für sozial innovative Projekte zur Verfügung. Wer sich an der Europawahl vom 23. bis 26. Mai 2019 beteiligt, wird folglich zum aktiven Entscheider darüber, welchen Weg Stadt- und Kulturentwicklung in Zukunft gehen werden.